His´scher Winkel

Was ist der His´sche Winkel ?

Der His-Winkel (auch ösophagogastrischer Winkel oder cardiofundaler Winkel) beschreibt den Winkel zwischen dem Bauchteil der Speiseröhre (Pars abdominalis des Ösophagus) und dem Magenfundus (Fundus ventriculi). 

  • Dieser Winkel ist physiologisch spitz, typischerweise zwischen etwa 50–60 Grad. 

  • Er entsteht durch die ligamentöse Aufhängung des Ösophagus am Zwerchfell (Ligamentum phrenicooesophageale) und die Form des gastroösophagealen Übergangs. 

  • Klinisch bildet der His-Winkel einen wichtigen Teil der natürlichen Anti-Reflux-Barriere: Je spitzer der Winkel, desto besser fungiert er als Flap-Valve, das den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre reduziert. 

Ist der His-Winkel verbreitert oder abgeflacht, kann dies zu einem gastroösophagealen Reflux (GERD) beitragen, da der Verschlussmechanismus am unteren Ösophagus nicht mehr ausreichend funktioniert. 


Funktion & Bedeutung in der Anatomie

Anatomische Lage

Der gastroösophageale Übergang sitzt knapp unter dem Zwerchfell. Im gesunden Zustand bildet der His-Winkel eine Art Schleimhautfalte (Gubaroff-Klappe), die mechanisch gegen den Rückfluss von Mageninhalt wirkt. 

Physiologische Rolle

Der His-Winkel arbeitet zusammen mit dem unteren Ösophagussphinkter (LES) als funktionelles Ventilsystem. Er trägt dazu bei:

  • Druckunterschiede zwischen Brust- und Bauchhöhle zu nutzen

  • Reflux von Magensäure oder Verdauungssekreten zu verhindern

  • Die Passage von Nahrung in den Magen zu ermöglichen, ohne dass diese zurückfließt 

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein breiterer His-Winkel mit einer größeren Öffnung des gastroösophagealen Übergangs korreliert, was die Wahrscheinlichkeit von Reflux erhöht. 


Ösophagus-Fundus-Naht – Chirurgische Bedeutung

Was bedeutet „Ösophagus-Fundus-Naht“?

Die Ösophagus-Fundus-Naht ist eine chirurgische Nahttechnik, die beim anti-refluxiven Vorgehen (z. B. bei Hiatushernien oder schwerem Reflux) eingesetzt wird. Ziel ist es:

  • den His-Winkel anatomisch zu rekonstruieren oder zu stabilisieren

  • die physiologische Lage des Magens am Zwerchfell wiederherzustellen

  • eine wirksame Anti-Reflux-Barriere zu schaffen 

Dabei wird der Magendachbereich (Fundus) über oder um die Speiseröhre fixiert oder adaptiert, um die ursprüngliche Winkelgeometrie zu rekonstruieren. 

Indikationen

Typische Indikationen für eine Ösophagus-Fundus-Naht oder ähnliche rekonstruktive Eingriffe:

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)

  • Hiatushernie mit anatomischer Störung des His-Winkels

  • Rezidivierende Refluxsymptome trotz medikamentöser Therapie

  • Wunsch nach anti-refluxiver Chirurgie zur Lebensqualitätsverbesserung


Wiederherstellung des His’schen Winkels

Ziele der Rekonstruktion

Die Wiederherstellung des His-Winkels umfasst in der Regel:

  1. Mobilisation des Ösophagus und Freilegung des intrabdominalen Anteils

  2. Fixation des Fundus in korrekter Lage zur Bildung eines spitzen Winkels

  3. Nahttechnische Fixierung am linken Zwerchfellschenkel oder am Ösophagus selber 

Dies kann isoliert oder im Rahmen einer Hiatoplastik oder Fundoplicatio erfolgen. Letzteres verwendet zusätzliche Magengewebe zur Umwicklung des unteren Ösophagus, was den Verschlussdruck am LES zusätzlich erhöht.

Eine korrekte Rekonstruktion kann:

  • den physiologischen His-Winkel wiederherstellen

  • die Fläche des gastroösophagealen Übergangs verkleinern

  • die Wahrscheinlichkeit von Reflux und Komplikationen senken

  • ggf. den Bedarf an Protonenpumpenhemmern reduzieren

 

Vergleich mit anderen Verfahren

 

Verfahren

Hauptziel

Effekt auf His-Winkel

Einfacher Hiatushernienverschluss

Reparatur des Zwerchfellschließmuskels

✔️ unterstützt Rekonstruktion

Fundoplicatio (z. B. Nissen)

360°-Magenmanschette um Ösophagus

✔️ rekonstruiert Winkel und Druckbarriere

Ösophagus-Fundus-Naht allein

Fixierung des Fundus und Winkelrekonstruktion

✔️ gezielte Wiederherstellung

LSG-His / modifizierte Techniken

kombiniert mit bariatrischer OP

✔️ Winkel- und Refluxkontrolle

 

Fazit

Der His-Winkel ist ein zentraler anatomischer Faktor für die Funktion des gastroösophagealen Übergangs und die Verhinderung von Reflux. 

Die Ösophagus-Fundus-Naht dient als chirurgischer Ansatz zur Wiederherstellung der physiologischen Anatomie, um eine stabile Anti-Reflux-Barriere zu schaffen – entweder allein oder kombiniert mit anderen Verfahren wie Fundoplicatio oder Herinienreparatur.

 


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